Balkanroute – Europas unbeachtete Tragödie I

Bericht von der Balkanroute – Teil I: Serbisch-ungarische Grenze

Mit einem kleinen Team bin ich letzte Woche durch Serbien gereist. Unser Ziel: Erkundung der Balkanroute. Europas Staaten verkünden zwar, sie hätten mit ihren Grenzschließungen diesen Weg für Geflüchtete geschlossen. Nachrichten deuten aber das Gegenteil an – die Balkanroute ist offen und Europa verschließt seine Augen davor. Wie sieht die Situation vor Ort aus und vorallendingen, wie geht es fliehenden Menschen dort? Ein Bericht über eine unbeachtete Tragödie mitten in Europa.

Vor einem Stacheldraht spielen Kinder mit Eisenstangen und einem kaputten Kinderwagen. Vom aufwirbelndem Staub sind sie ganz grau und ihre Kleidung dreckig. Ein Stimmengewirr von hunderten Menschen um mich herum dringt an mein Ohr, aus dem Hintergrund dröhnt die nahe Autobahn. Ich befinde mich in einem inoffiziellen Refugeecamp an der serbisch-ungarischen Grenze. Es liegt nur circa hundert Meter neben dem offiziellen Grenzübergang Horgos, umringt von Wiesen und Wald, direkt an der ungarischen Grenze. Nur über einen schmalen Feldweg kommt man hier hin. Offiziell dürfte es das Camp, in dem bis zu 500 Menschen leben, gar nicht geben. Weiterlesen