Ende Gelände: Die neuen, cooleren Hippies

Ende Gelände versetzt jedes Jahr Braunkohleregionen in ganz Deutschland in Aufruhr. Ob die Lausitz oder das Rheinland – über mehrere Tage bewirken tausende Aktivisten aus der ganzen Welt in ländlichen und sonst eher beschaulichen Gegenden Ausnahmezustände. Sie protestieren mit Blockaden, Erstürmungen und Demonstrationen gegen Kohleverstromung und für Klimagerechtigkeit. Sie haben Wut auf eine Gesellschaft, die aus ihrer Sicht zu wenig tut, um den Kollaps eines gesamten Planeten zu verhindern. Trotz dieser Wut werfen sie aber keine Steine, zünden Autos an oder bedrohen ihre Gegner. Die Ende Gelände-Aktivisten zeigen nicht nur in ihren Aktionen Friedfertigkeit, sondern auch darüber hinaus.

Entschlossen, aber friedlich: Ende Gelände 2017 im Rheinland
Entschlossen, aber friedlich: Ende Gelände 2017 im Rheinland

Wenn sie über einen Rübenacker marschieren, der auf ihrem Weg zu einem Kraftwerk liegt, rufen sie sich zu, vorsichtig zu gehen, damit keine Rüben kaputtgehen. Sie winken Polizisten zu und wünschen Anwohnern einen Guten Tag. Wenn die Polizei sie mit Schmerzgriffen räumt, fangen sie an zu singen und die Zeit vertreiben sie sich mit Abklatschspielchen. Ständig hat jemand ein Instrument in der Hand und auf Fotos dominieren Lächeln und Peace-Zeichen.

Es ist ein ganz anderes Bild, das die Klimaaktivisten abgeben, als es die Gesellschaft sonst gerne von linken Demonstranten zu zeichnen versucht. Mit ihren positiven Botschaften wirken die Aktivisten von Ende Gelände eher wie moderne Hippies. Make love not war. Sie wollen nicht zerstören oder polarisieren, sie wollen inspirieren und einladen. Anders als die klassischen Hippies müssen sich die Klimaaktivsten nicht den Vorwurf gefallen lassen, sie würden sich zuviel mit sich selbst beschäftigen und zu wenig in die Gesellschaft hineinwirken. Im Gegenteil. Hippies werden kritisiert, ihre Definitionen von Liebe und Pazifismus dienten tatsächlich nur dazu, ihr eigenes Leben in Ruhe betten zu können, während die Welt um sie herum weiter im Chaos versinkt.

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Blockade des Zufahrtsgleises vom Kraftwerk Neurath

Genau gegen dieses Chaos gehen aber die Klimaaktivisten an und schaffen beides: sich mit sich selbst beschäftigen und in die Gesellschaft wirken. Sie bauen solidarische Strukturen auf, um sich und ihrer Community Unterstützung zu leisten. Gleichzeitig wirken sie mit Aktionen und Kampagnen auf gesamtgesellschaftliche Veränderungen hin. Dabei verankert sich Ende Gelände im dritten Jahr seines Bestehens immer mehr in den politischen Alltag. Ob Parteien oder NGO’s – breite gesellschaftliche Kräfte formieren sich hinter den Kohlegegnern. Es fehlt nicht mehr viel und die neuen, cooleren Hippies setzen eine große Stimmung gegen Kohlekraft in Deutschland in Gang. So wie es bei der Atomkraft auch einmal angefangen hat.

Aufstand gegen Massentierhaltung: Tierschützer lassen sich einsperren

Nach dem ganzen G20-Trubel mal wieder zu etwas ganz anderem:
In Potsdam haben am Wochenende Tierschützer*innen und Tierrechtler*innen unter dem Motto Aufstand gegen Massentierhaltung: Auftakt für eine konsequentere Umsetzung des Volksbegehrens gegen Massentierhaltung demonstriert. Zwei Aktivistas ließen sich über zehn Stunden in einem so genannte „Schweinekasten“ einsperren. Am Tag darauf fand ein ‚alternatives Konzert gegen Massentierhaltung‘ statt. Ich habe für das neue deutschland einen Artikel darüber geschrieben, den ihr hier durchlesen könnt (https://www.neues-deutschland.de/…/1057583.tierschuetzer-in…).

Außerdem habe ich einen Videofilm gemacht, den ihr euch ganz easy hier angucken könnt und ergänzend dazu Fotos auf meinem flickr-Kanal (https://www.flickr.com/…/timluedde…/albums/72157683710466084).

Gutes Informieren wünsche ich!

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Kfmg

Seit ich bei #G20 war, habe ich Angst

Seit mehreren Jahren berichte ich von Demonstrationen und politischen Ereignissen. Sowohl mit Fotos, als auch mit Texten. Ich habe Demonstrationen von Linksradikalen und Neonazis begleitet, war auf der Balkanroute und an der syrischen Grenze unterwegs, war bei Blockaden dabei und hab die Proteste in Tagebauten dokumentiert. Aber ich habe mich noch nie so unwohl im Nachgang meiner Arbeit gefühlt, wie jetzt nach den G20-Protesten. Und das liegt nicht vordergründig an den Aktionen militanter Gewalttäter im Schanzenviertel.

Es macht mir Angst, wie sich die Polizei während der Proteste verhalten hat. Sie hat den Rechtsstaat gebeugt und verdreht, wie es ihr passte. Sie hat eine 38 Quadratkilometer große Zone innerhalb einer deutschen Großstadt ausgerufen, in der sich nicht versammelt werden durfte, um gegen ein höchst problematisches Treffen zu demonstrieren. Sie hat Journalist*innen permanent eingeschüchtert und angegriffen – ich selbst habe am Freitag abend einen Schmerzschlag von einem sächsischen Polizisten auf das Ohr bekommen. Zum Glück hatte ich das einigermaßen geschützt. Andere Kollegen wurden mit Pfefferspray, Tritten und Schlagstöcken malträtiert. Polizeikräfte haben auch Demonstrationen und zivilen Ungehorsam mit äußerster Brutalität angegriffen. Wie im Wahn, als ob sie alles plattmachen müssten, was nicht nach bürgerlicher Gehdemo aussieht. Egal, ob es sich um gewaltfreie Blockaden oder um eine friedliche Tanzkundgebung handelte. Weiterlesen

Das Erbe von Idomeni: Gestrandet im Ungewissen

Seit einem halben Jahr ist die Balkanroute für die legale Fluchtbewegung geschlossen. Idomeni ist geräumt und die Menschen sind in staatlichen Lagern untergebracht. Dort stecken sie fest – unter zweifelhaften Lebensbedingungen und ohne Gewissheit wie es für sie weitergeht. Bericht aus Nordgriechenland.

Mohamed Reza sitzt auf einer selbst gebauten Holzpritsche und schaut mich resigniert an. „Ich verstehe nicht, warum du das tust“, sagt er. Er meint die Fotos, die ich von den Menschen und den dutzenden Zelten in der riesigen Fabrikhalle mache. „Seit Monaten kommen Menschen, machen Fotos, stellen Fragen und nichts hat sich verändert“, meint er. Wir befinden uns in einem Geflüchtetencamp in Thessaloniki. Reza ist seit mehr als einem halben Jahr in Griechenland. Er war in Idomeni, hat die Proteste, den Schlamm und den Medienhype dort mitbekommen. Dann die Räumung des inoffiziellen Camps und die Unterbringung in dieser Halle. In dieser riesigen, lauten Halle. Weil sich nichts zum Guten verändert, will er auch nicht über seine Situation oder die Flucht sprechen. Stattdessen lädt er uns zum Tee ein und redet mit uns über Gott und die Welt.

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Projekt BORDER REPORTER: Aktuell aus Griechenland

Europa will seine Augen vor den prekären Lebensbedingungen von Geflüchteten verschließen. Mit dem Projekt Border Reporter will ich sie wieder öffnen – mit Fotos, Berichten und Videos aktuell aus Griechenland.

Zehntausende Geflüchtete stecken derzeit in Griechenland fest. Europas Staaten halten ihre Grenzen geschlossen und lassen sie nicht weiterziehen. Das Land verwandelt sich in eine riesige Wartehalle für Menschen, die sich auf der Flucht befinden – weitgehend unbeachtet von der europäischen Öffentlichkeit.

Denn der Kontinent versucht zu ignorieren, dass sie dort unter prekären Bedingungen leben müssen – ohne Perspektive und mit schlechter Versorgungslage. Stattdessen verbreiten sich Vorurteile und diskriminierende Ansichten in der Gesellschaft und das Recht auf Asyl wird weiter bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Ich möchte die Bedingungen an den Grenzen Europas dokumentieren und Aufmerksamkeit schaffen. Denn nur eine informierte und kritische Öffentlichkeit kann sich nachhaltig mit den rechten und falschen Positionen auseinandersetzen dazu beitragen, dass in Europa elementare Grundrechte für Geflüchtete vollumfänglich sichergestellt werden.

Aktuelle Beiträge und Fotos könnt ihr auf meinen verschiedenen Plattformen sehen, kommentieren und teilen…
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Liebe Parteien: Lasst die Wahlplakate einfach weg!

Zu Wahlkampfzeiten überziehen die Parteien jeden Straßenzug mit ihren Plakaten. Dabei sind die Effekte dieser Werbemaßnahmen zu vernachlässigen, der Aufwand und der Ressourceneinsatz dafür aber enorm. Lasst die Wahlplakate einfach weg!

Politik ist Show. Eine Plenardebatte ist eher ein Theaterschauspiel, als ein Diskussionsgremium. Und Wahlkampf erinnert eher an eine Werbekampagne, als an einen offenen Wettbewerb der Interessen. Die überall präsenten Wahlplakate passen in diese Entpolitisierung der Politik: Es geht um Werbung, die beste Präsentation der Kandidierenden, Botschaften und Slogans rüberbringen – den „Spin“ entwickeln. Oder kurz gesagt: „Inhalte weglächeln„. Es nervt, wenn die ganze Stadt über Wochen voll mit diesen sinnlosen Werbebotschaften gehangen ist.

In jeder Partei sind hunderte Mitglieder wochenlang in Berlin unterwegs, um Wahlplakate zu hängen. Ein enormer Zeitaufwand, trotz des geringen Effekts. Die Zeit könnte sinnvoll in Diskussionsveranstaltungen, Informationsstände oder Social Media investiert werden –  direkte Ansprachen und Auseinandersetzungen statt einfache (und nichtssagende) Werbeslogans. Zusätzlich würden die Wahletats der Parteien entlastet; dort nehmen die Plakate traditionell hohe Posten ein. Nach der Wahl müssen die Plakate noch irgendwohin. Da die Wahlplakate, mit einzelnen Ausnahmen, nur für eine spezielle Wahl genutzt werden können, werden sie entsorgt. Eine unheimliche Materialverschwendung.

Dass es auch ohne die Plakatflut geht, zeigt das Beispiel Frankreich. Dort dürfen überhaupt keine Plakate gehangen werden. Stattdessen gibt es zentral bereitgestellte Plätze, auf denen geklebt werden kann. Dennoch finden die Menschen am Wahltag ihren Weg in die Wahlkabinen und machen ihr Kreuz. Vielleicht gibt es bei einer der nächsten Wahl eine Partei, die sich traut, auf Plakate zu verzichten. Stattdessen könnten die frei gewordenen Ressourcen in eine direkte Auseinandersetzung mit den Bürger*innen investiert werden. Das würde auch für die Demokratie ein Plus bedeuten. Also traut euch, liebe Parteien!

Fluchtgeschichten: Ahmed aus Syrien

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Deutschland hat Angst vor Geflüchteten – ohne sie zu kennen. Das Bild über die Menschen auf der Flucht ergibt sich aus reißerischen Schlagzeilen und verkürzten Statistiken. Das Land vergisst, dass hinter der Bezeichnung ‚Flüchtling‘ immer ein Mensch mit einer eigenen Geschichte steckt. Ich möchte diese Menschen vorstellen und damit Vorurteile nehmen. Die erste Fluchtgeschichte von Ahmed.

Es war Juni 2015, als Ahmed den ersten Teil seines Studiums in Syrien abgeschlossen hatte. Es war der erste Schritt auf dem Weg zu seinem Traumberuf als Rechtsanwalt. Der Bürgerkrieg in Syrien tobte bereits seit 3 Jahren und das Regime von Assad wollte ihn als Soldaten einziehen – so wie alle anderen männlichen jungen Männer. Weiterlesen

Fotos zu (fast) allen Blockupy-Aktionen in Berlin

Blockupy in Berlin – Mindestens 6 Aktionen an einem Tag. Blockade des Arbeitsministeriums, Demonstration gegen den EU-Türkei-Deal, Floßfahrt gegen ein Kohlekraftwerk, Plakataktion gehen ein Jobcenter, Banner drop am Hauptbahnhof und am Kohlekraftwerk Klingenberg. Zwischendurch machten Grüne Jugend, Jusos und Linksjugend eine Aktion für eine Rot-Rot-Grüne Regierung in zwei Wochen. Es war viel los und viel davon hab ich mit der Kamera eingefangen – Fotos gewohnt unkommerziell (fast) frei nutzbar!

Zum jeweiligen Album einfach auf das entsprechende Foto klicken!

Blockupy blockiert das Arbeitsministerium

Blockupy blockiert das Arbeitsministerium

Ende Gelände protestiert auf der Spree gegen das Kohlekraftwerk Klingenberg

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Wirkstoff gegen Terrorismus entdeckt

Firma aus dem Erzgebirge bringt Globale Gerechtigkeit akut auf den Markt

Die großen Staaten dieser Welt versuchen seit Jahren dem Terrorismus beizukommen – ohne nachhaltigen Erfolg. Tatsächlich haben terroristische Anschläge in den vergangenen deutlich zugenommen, genau wie die Zahl der im Terrorismus aktiven Personen. Die Strategie des „Kampfes gegen den Terror“ mit militärischen Einsätzen und Erhöhung der Sicherheitsgesetze scheint nicht aufzugehen. Jetzt hat ein kleines Pharmaunternehmen aus dem Erzgebirge verkündet endlich ein wirksames Mittel gegen Terrorismus gefunden zu haben. Weiterlesen

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