Idomeni: Trügerische Normalität

Idomeni: Trügerische Normalität

Auf dem Weg ins türkische Gaziantep bin ich nach einem Monat wieder in Idomeni. Die Stimmung hat sich seither verändert. Weniger Menschen als noch im Februar warten hier auf die Öffnung der Grenztore, weniger Journalist*innen und Volunteers sind hier. Die hiergebliebenen Geflüchteten haben ihre Zelte zu kleinen Hütten ausgebaut. Barbiere bieten am Straßenrand ihre Dienste an, kleine Straßenstände sind aufgestellt, Kinder spielen. Es herrscht eine trügerische Normalität in dem Camp an der mazedonischen Grenze.

Ein kleiner Junge vor seinem Zelt
Ein kleiner Junge vor seinem Zelt
Viele Menschen vertreiben sich die Zeit
Viele Menschen warten seit langer Zeit auf ihre Weiterreise

Immer noch geistert die alles beherrschende Frage umher, ob und wann die Grenze wieder geöffnet wird. Für viele geht es um nicht weniger als ihre Existenz. Gekommen aus Krisengebieten, geflohen vor Verfolgung und Armut, erwartet sie schon mit der Abschiebung in die Türkei ein ungewisses Schicksal. In den vielen Monaten, die einige hier schon verbringen müssen, hat sich ein Alltag in dem Camp abgespielt, aus Hoffnungslosigkeit wird Abgestumpftheit und man arrangiert sich mit der Situation. Dabei täuscht diese Normalität über die tatsächlich Tragik der Menschen hinweg.

Mit selbstgebauen Drachen vertreiben sich manche Menschen ihre Zeit
Mit selbstgebauen Drachen vertreiben sich manche Menschen ihre Zeit
Eine Handyaufladestation
Eine Handyaufladestation

Ich bin hier mit zwei anderen Menschen und wir haben uns vorgenommen, mit unseren Fotos und Berichten den Menschen abseits der Grenzen in Europa die Situation der Geflüchteten vor Augen zu führen. Der Kontinent kann versuchen die Schicksale der Geflüchteten auszusperren und ihr Leid zu ignorieren – wir werden versuchen es ihm weiter ins Gedächtnis zu rufen.

Ihr könnt mich für Vorträge über die Situation auf den Fluchtrouten seit letztem September einladen. Einen ersten Eindruck zur Situation in Idomeni könnt ihr auf idomeni.tim-lueddemann.de gewinnen.

Ein Brief und die Geschichte von Rita(11) aus Idomeni

Rita befindet sich mit ihrer Familie auf der Flucht und lebt aktuell in Idomeni unter katastrophalen Bedingungen. Auf Deutsch startete sie mit einem Schild vergangene Woche einen Appell die Grenze nach Deutschland zu öffnen. Das Foto ist hunderte Male in den sozialen Netzwerken geteilt worden. Wer ist Rita, wie hat sie das Schild auf Deutsch […]

Die zurückgelassenen Rettungswesten am Strand von Chios // The remained life jackets on the shore of chios

**deutsch-englische Version // german-english version** Der Künstler Ai Weiwei hat am Berliner Gendarmenmarkt mit Rettungswesten aus Lesbos vier Säulen großflächig verhüllt. Das nehme ich zum Anlass, ein paar Fotos von einem ‘Originalort’ hochzuladen und eine dazugehörige Situation zu beschreiben. // The artist Ai Weiwei had covered four pillars at the ‘gendarmenmarkt’ in Berlin with life […]

Verdammte Silvester-Knallerei! Fakten gegen das Böllern

So wie in Deutschland wird fast nirgendwo anders zum Jahreswechsel geknallt. Dabei gibt es eine Menge Gründe gegen das Böllern. Zehntausende Menschen wird diese Zündelei jedes Jahr allein zum akustischen Verhängnis und sie erleiden Hörstürze oder komplette Hörverluste.1 Insgesamt verpulvern die Deutschen 130 Millionen Euro am Silvesterabend.2 Mit dem Geld könnten beispielsweise 400 Erzieher*innen über […]

Nachts vor dem LaGeSo: Anstehen bei Geschrei und Gedränge

Die Bilder von langen Schlangen vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) gingen wochenlang durch die Medien. Aber auch nachts drängen sich Hunderte Geflüchtete vor der Behörde in der Turmstraße. Die Situation ist unübersichtlich und angespannt. Fotos auf flickr Dicht an dicht stehen die Geflüchteten eingepfercht zwischen Absperrgittern, getrennt nach Frauen mit Kindern und […]

Refugee support tour: Geflüchtete auf dem Balkan unterstützen

Gemeinsam mit anderen organisiere ich gerade die refugee support tour, um Geflüchtete auf der Balkanroute zu unterstützen! Nach meinen Erfahrungen auf der ersten Reise und den aktuellen Entwicklungen, halte ich es für ganz dringend, Hilfsgüter nach Kroatien und Serbien zu bringen. Jeden Tag wird es kälter und die Situation wird immer angespannter, den Menschen geht […]

Asyl: Nehmen die Grünen sich noch selbst ernst?

Nach dem Asylkompromiss 2014 beschlossen die Grünen auf dem anschließenden Parteitag in Hamburg weitere Verschärfungen abzulehnen – und werden diesen im Bundesrat jetzt doch zustimmen. Obwohl die Reformen noch repressiver sind als im letzten Jahr, bleibt der Protest dagegen praktisch aus. „Wir Grüne haben diese Einschränkungen des Asylrechts [von 1993] bekämpft, denn sie waren schon […]

Danke für eure ganzen Spenden!

Vor zweieinhalb Wochen haben wir einen Aufruf gestartet, weil wir Spenden gesucht haben. Wir waren in Kroatien, hatten uns ein Auto geliehen und wollten Refugees an der Grenze unterstützen. Wir hätten nie gedacht, dass ein facebook- und ein twitter-post 1020€ zusammenbringen würden. Vielen tausend Dank dafür! Eine Auflistung was wir damit gemacht haben, sowie die […]

Bericht aus Zakany, ungarisch-kroatische Grenze 24. – 25.09.2015

Tausende Refugees werden an der ungarisch-kroatischen Grenze in Züge gebracht und anschließend Richtung Österreich transportiert. Der Umgangston ist rau, ohne die private Hilfe bekämen sie praktisch gar keine. Mehr Fotos gibt es hier. Am letzten  Tag in Opatovac erreichte uns ein Hilferuf aus Zakany. In dem kleinen Ort sollen Refugees dringend Hilfe brauchen, kaum Helfer […]